Postcard vs. Reality

Postcard vs. Reality – Milford Sound

Kann man diese Morgenstimmung überhaupt so noch einmal einfangen? Ist sie nicht zu einzigartig, um sich zu wiederholen? Ich machte mir keine Illusionen: Diese Postkarte konnte ich so nicht nachstellen. Was ich machen konnte: Ich konnte zu diesem Ort reisen, von dem so viel gesprochen wurde, und meine eigenen individuellen Eindrücke sammeln.

Ich hatte nicht die besten Voraussetzungen für einen unbefangenen ersten Eindruck. Einerseits hatte ich hohe Erwartungen an diesen Ort, der so oft als einer der beeindruckendsten Landschaften in Neuseeland beschrieben wurde. Ich wollte die unbewohnten Fjorde sehen und die schneebedeckten Berge am Rand des Ozeans. Ich wusste bereits, dass mir der Zugang zum Milford Sound Track verwehrt bleiben würde. Ich hatte in mein Budget nicht die teuren Übernachtungen eingeplant, die ich auf diesem Wanderweg hätte bezahlen müssen. Vielleicht war ich auch deshalb etwas grummelig. Andererseits hatte ich in der Nacht vorher so wenig geschlafen und war anschließend so lange gefahren, wie noch nie auf dieser Reise. Ich war übermüdet, mürrisch und alles wollte nicht so recht in meinen Plan passen. Auch solche Tage muss es einmal geben!

Daher war ich nicht auf der Suche nach dem exakten Standpunkt dieser Postkarten-Aufnahme. Ich schlenderte am Ufer entland und war zu sehr mit mir selbst und meiner Stimmung beschäftigt. Doch im Nachhinein stellte ich fest, dass sich in den Fotografien des Tages eine sehr ähnliche Aufnahme befand. Sie ist Sinnbild meiner Tagesverfassung! Und sie bestätigt eine der Weisheiten des Tages: Der Besucher kann noch so viele unterschiedliche Bilder vom Milford Sound fotografieren, doch immer wird sich der Mitre Peak in die eine oder andere Ecke des Fotos schleichen!