Welch passender Zufall genau zu Weihnachten durch eine Stadt mit Namen Christchurch zu wandern. Sie beeindruckte sowohl durch ihre vorhandenen Gebäude als auch durch die Leerstellen zwischen ihnen. Denn letztere zeugten von der Reihe an Erdbeben, denen die Stadt ausgesetzt war.
Wer entdeckt den Unterschied zwischen Postkarte und Realität? Richtig, da hat sich ein massives Blumengerüst ins Bild geschoben. Endlich einmal ist das Wetter so strahlend sonnig wie auf der Postkarte und dann sowas.
Das Motiv ist zudem ein besonderes: Es handelt sich um die Kathedrale von Christchurch, die bei dem großen Erdbeben von 2011 zur Hälfte zerstört wurde. Brian, mein Gastgeber aus dem Norden, hatte diese Naturkatastrophe selbst miterlebt und zeigte mir damals Bilder der Zerstörung. Der Kirchturm der Kathedrale wurde komplett abgetragen und das verbliebene Kirchenschiff mit einer beeindruckenden Stahlkonstruktion abgestützt. Vormals das Wahrzeichen der Stadt spaltet es heute ihre Bewohner und steht für die unterschiedlichen Strategien mit den Leerstellen nach der Naturkatastrophe umzugehen. Für die einen bedeutet die Zerstörung einen Neuanfang. Die entstandenen freien Flächen sollen die Möglichkeit bieten, die Stadt Christchurch komplett neu zu konzipieren. Die anderen möchten das Alte und Vertraute wieder aufbauen und so die Vergangenheit und Traditionen ehren. Diese beiden Lager standen sich in der Diskussion um das Schicksal der Kathedrale ebenfalls gegenüber.
Laut Wikipedia wurde am 09. September 2017 (also erst nach meinem Besuch in Neuseeland) nach einer dreitägigen Beratung der Wiederaufbau der Kathedrale beschlossen. Nur eine knappe Mehrheit der lokalen Gemeindemitglieder stimmte dafür. Zur Wahl standen auch der Bau einer neuen Kathedrale oder die Übergabe der Ruinen an die Regierung.
Für die Zeit bis zum Neubau der Kirche entwarf der japanische Architekt Shigeru Ban eine temporäre Kirche – die Cardboard Cathedral (deutsch: Papp-Kathedrale). Sie besteht aus Kartonröhren, Holz und Stahlträgern und soll möglichen Erdbeben besser standhalten. 2013 wurde sie eingeweiht.
Genau am 24. Dezember schlenderte ich mit meinem Besuch aus Deutschland über diesen Platz. Das Wetter war sonnig und sommerlich. Straßenmusikanten spielten irische Lieder und überall waren Familien in Ferienstimmung zu sehen. Ich weiß nicht mehr genau, was dieses Blumengerüst darstellte. Vielleicht ein Unterstand für die christliche Messe an Heiligabend? Ich genoß einfach das Wetter, die entspannte Atmosphäre und ließ mich auch nicht davon ärgern, dass diese Konstruktion das Postkartenbild verdeckte. Schließlich sind es doch die Unterschiede, die das Leben spannend machen, oder?




Eine Antwort zu „Postcard vs. Reality – Christchurch”.
[…] die Leerstellen in den Straßen, Parkflächen, wo einst Häuser standen, abgestütze Fassaden und die zerstörte Kathedrale. Einige Ecken sahen wirklich historisch aus und ließen die alte Stadt, die Christchurch einmal […]