Der Norden des Südens – Von Picton zu den Nelson Lakes

Die Golden Bay im Norden der Südinsel soll eine der sonnigsten Gegenden sein. Leider hielt sie ihr Versprechen im Dezember 2016 nicht ein. Ich ließ mich vom Grau nicht einschüchtern und suchte trotz Regen nach besonderen Orten.

Am Tag vor Nikolaus nahm ich in den frühen Morgenstunden die Fähre von Wellington nach Picton. Ich war sehr aufgeregt, da ich nicht einschätzen konnte, wie gut ich mit dem großen Auto durchs Deck manövrieren konnte. Doch letztendlich gab es genügend nette Menschen in Warnwesten, die die einzelnen Fahrzeuge problemlos zu ihren Parkplätzen lotsten. Drei Mal kontrollierte ich die Handbremse, bevor ich mich endlich traute mein Auto zu verlassen und wie die anderen Passagiere zu den oberen Decks zu gehen. Die Abfahrt von der Nordinsel und die Ankunft auf der Südinsel verbrachte ich draußen auf dem offenen Deck. Ich beobachtete das langsame Zurückweichen der Stadt zwischen den hellgrünen/ Hügeln vor grauem Himmel und das ebenso langsame Näher-Rücken der zerfurchten dunkelgrünen Hügel, die umspült wurden von türkisblauem Wasser. Die Luft war klar, doch kalt und so zog ich mich den Rest der Überfahrt ins Warme zurück, denn hier gab es Steckdosen für mein Tablet und eine heisse Schokolade als Wiedergutmachung für die Verspätung. Denn die Fähre lief mit einer Verspätung von fast zwei Stunden in Picton ein. Ich weiß nicht mehr welchen Grund sie angaben, aber der war sicherlich genauso nachvollziehbar wie bei der Deutschen Bahn.

Picton – klein und pittoresk

Sonnig begrüßte mich der Süden. Picton war ein kleines Hafenstädtchen und erweckte kaum den Anschein, dass hier täglich hunderte von Menschen zwischen den Inseln wechseln. In Picton schaute ich mich kurz um, spazierte im Sonnenschein am Hafen entlang und suchte kurz in der Bibliothek den nächsten Campingplatz. Dies sollte in den nächsten Wochen zu einer festen Gewohnheit werden: Da mobiles Internet, wie bereits beschrieben, nicht überall gut zu empfangen ist (im Süden ja noch schlechter als im Norden), hielt ich alle paar Tage nach einer der kleinen niedlichen Bibliotheken Ausschau. Die meisten davon bestanden aus einem großen Raum mit Regalen an den Wänden und einer kleinen Nische mit Sessel, wo man kostenlos das WiFi benutzen konnte. Von dort aus plante ich dann Stück für Stück wie eine Schnitzeljadg meine weitere Reise.

Mit dem Camper unterwegs war ich immer auf der Suche nach einer Steckdose oder WiFi. Denn mein altes Handy kam mit den ziemlich praktischen Neuseeland Camperapps nicht klar und für mein Tablet brauchte ich von Zeit zu Zeit eine Steckdose und WiFi. Als Reisende sortieren sich die Prioritäten definitiv neu!

Aussie Bay – Fjorde und Delfine

Von Picton aus nahm ich nicht gleich den Highway nach Blenheim und dann nach Nelson,  sondern fuhr den Queen Charlotte Drive entlang. Diese Straße erinnerte mich sehr stark an die Strecke zwischen Tauranga und Rotorua: Serpentinen um Serpentinen, Berge hoch und runter! Mir wurde vielfach angekündigt, dass die Straßen im Süden breit und flach und schnurgerade verlaufen würden. Davon sah ich an meinem ersten Tag nichts. Doch die Landschaft um mich herum, die Malborough Sounds, waren beeindruckend. Hügel um Hügel staffelte sich in die Ferne und zwischen ihnen lag immer ein langer schmaler Wasserarm. Es war eine Fjordlandschaft mit türkisblauem Wasser wie am Mittelmeer. Bei jedem ausgeschilderten Ausblick hielt ich an und genoss die Aussicht.

Am späten Nachmittag fand ich endlich das Doc Camp Aussie Bay und parkte mein Auto mit Blick auf die Bucht. So ließ es sich Campen! Zwar nah an der Straße, doch von dieser verborgen durch hohe Büsche lag ein kleiner Schotterplatz zum Parken für die Autos knapp 100 Meter vom Ufer entfernt. Wenn ich die Seitentür meines Vans offen ließ, konnte ich die kleine Bucht überblicken und das Plätschern der Wellen hören. Und dann… ich war gerade beim Essen als jemand plötzlich rief „Dolfins Dolfins!“ Und ich lief zum Strand runter. Blaugraue gebogene Rückenflossen durchkämmten die Bucht: die ersten Delfine in freier Wildbahn, die ich in meinem Leben zu Gesicht bekam. Sie drehten wohl ihre abendlichen Runden, denn noch zweimal kamen sie in der Nähe des Campingplatzes vorbei. Vor lauter Aufregung merkte ich gar nicht, dass ich den Videoaufnahmeknopf meiner Kamera gar nicht richtig gedrückt hatte und bekam sie nur einmal richtig ins Bild. Eine andere Touristin schmiss sich wagemutig in die kalten Wellen und wollte wohl dem paradiesischen Bild in ihrem Kopf entsprechend mit den Delfinen schwimmen. Diese hatten jedoch keine Lust darauf und machten einen großen Bogen um die wagemutige Schwimmerin. Zweimal versuchte sie sich erneut ihnen in den Weg zu werfen und jedes Mal wichen die Tiere aus.

Später erfuhr ich, dass man still im tieferen Wasser stehen sollte und unter Wasser mit den Fingern schnipsen. Das würde die Delfine anlocken, da sie neugierig sind. Doch das allzu aufdringliche Gehabe der Frau hatte sie eher abgeschreckt.

Nelson – Zwischenstation

Am nächsten Tag ging es weiter die gewundenen Straßen nach Nelson. Ich hatte gehofft, im Stadtzentrum übernachten zu können. Doch der Ort war voll und unübersichtlich und ich fühlte mich leicht überfordert, denn ich sah nicht durch, wann man wo wie kostenfrei Übernachten könne. Es soll wohl möglich sein, doch ich fand nicht heraus wie. So fuhr ich weiter zum  McKee Memorial Reserve Richtung Abel Tasman National Park. Es war ein schmaler Campingplatz an einem langen Steinstrand, mit Solardusche und Wasserklo. Ein wahrer Luxus!

Ich kam mit einem anderen Soloreisenden ins Gespräch und so lernte ich Furkhan kennen, einen Türken aus Istanbul, der mir nach Art seines Kulturkreises gleich dunklen schwarzen Tee anbot. Wir teilten nach Backpacker Manier das Abendbrot und Wein und machten am Strand ein Feuer, zu dem sich noch andere Campinggäste gesellten. Wir redeten über unsere Reiseerfahrungen und tauschten Empfehlungen aus. Es war der Nikolaustag und trotz des frühsommerlichen Wetters war es genau richtig diesen Abend mit einem Feuer am Strand zu verbringen. Ok, Weihnachtslieder sangen wir nun nicht, doch zufällig war Furkhan großer Bewunderer und Fan der kanadischen Sängerin Loreena McKennith, die in meiner Familie immer zu Weihnachten gehört wurde. Also saßen wir später in seinem Auto und hörten Loreena und besser konnte der Nikolaustag gar nicht sein. Furkhan wurde später sesshaft in Queenstown und ich besuchte ihn in seiner WG dort am Lake Wakatipu.

Abel Tasman National Park – gelber Sand und gutes Timing

Die nächsten zwei Tage waren grau und es regnete ununterbrochen. Ich verabschiedete mich von Furkhan, suchte mir einen Campingplatz so nah wie möglich am Abel Tasman National Park und hoffte auf einen Wetterwechsel. So landete ich in einem christlichen Bethany Park Christian Camp, das wirklich gut ausgestattet war mit Wohnzimmer, Küche und einem Sanitärtrakt, in dem ständig 50er Jahre Musik lief. Am ersten Abend lernte ich ein Paar Ü30 kennen – das ist selten in Neuseeland, die meisten sind gerade mal 20 – Michael und Natalie aus Köln, die eine Weltreise unternahmen und nun in Neuseeland Station machten. Den zweiten Tag verbrachte ich die meiste Zeit im Camper, schaute Filme auf meinem Tablet und brachte den Regentag einfach rum. Am dritten Tag hielt ich es nicht mehr aus. Ich wollte nicht eine ganze Woche am gleichen Ort verbringen, nur weil das Wetter so ungnädig war. Ich fuhr zum Split Apple und verfolgte mein Fotoprojekt.

Dabei wunderte ich mich über die tropfenförmigen geleeartigen Dinger am Strand, die dort angespült wirkten und seltsame Ploppgeräusche machten, wenn ich aus Versehen darüber lief. Später fand ich heraus, das waren kleine Quallen – Iih!

Sobald ich dann am späten Vormittag den Abel Tasman National Park erreichte und die Wanderung begann, brach der Himmel auf und die Sonne kam hervor. Ich war wirklich froh, doch so früh aufgebrochen zu sein und das Wetter so gut abgepasst zu haben. Ich wanderte den ersten Abschnitt des Abel Tasman Nationalpark Tracks bis nach Anchorage und dann auch wieder (weil ich zu geizig für ein Wassertaxi war) zurück. Das waren dann 25 Kilometer an einem Tag! Ich verstehe nun, warum alle Touristen von diesem Fleckchen auf der Südinsel schwärmen. Die Landschaft erinnerte mich an Südeuropa. Der Wanderweg schlängelt sich durch grünen Regenwald und immer blitzte das tiefe Blaugrün des Wassers und die goldgelben Strände zwischen den Bäumen hindurch.

Ich hätte gern in einer der Wanderhütten übernachtet, es muss schön sein dort eine Nacht am Strand zu verbringen, doch mit der Aussicht auf weitere graue Tage verging es mir rasch. Ich kann es absolut nicht leiden, wenn ich bis auf die Haut durchgeweicht werde und kaum eine Möglichkeit besteht, wieder komplett trocken zu werden (das sollte mir später jedoch nicht erspart bleiben). Und zusätzlich ist es nicht so einfach vom anderen Ende des Parks wieder zurück zum Auto zu gelangen. Ich begnügte mich mit dem einen Tag und war dankbar für das tolle Wetter. In Anchorage gab es eine größere Wanderhütte und ich hielt meine Füsse ins kalte Wasser und ruhte mich am Strand dort aus. Der Sand erinnerte mich sehr an Semmelbrösel, so grobkörnig und gelblich braun war er. Eine Gruppe Spanier beobachtete mich, als ich meine Wanderschuhe wieder anzog, und wir kamen ins Gespräch. Sie teilten ihr Studentenfutter mit mir und waren beeindruckt, dass ich nicht das Wassertaxi zum Parkplatz zurück nahm, sondern wieder zu Fuß zurücklaufen wollte. Meine Füße beschwerten sich natürlich am Abend sehr, doch mein Geldbeutel dankte es mir.

Es ist immer ein Abwägen zwischen, was brauche ich wirklich, was möchte ich mir leisten und was ist Luxus. Denn jede Ausgabe zu viel heisst, man muss irgendwann wieder irgendwie Geld verdienen und das heißt, man hat weniger Zeit zu reisen.

Ich unterhielt mich eine Weile mit den Spaniern und sie fragten mich aus, übersetzten das Gespräch für ihre englischunkundigen Freunde und ich war sehr erstaunt, dass ich vieles davon verstand ohne auch nur einmal Spanisch in meinem Leben gelernt zu haben. Meine rudimentären Französischkenntnisse schienen da zu helfen. Ansonsten wechselte ich immer ein paar Worte am Tag (oder jeden zweiten) mit Reisenden und fand auch die Zeit für mich allein sehr angenehm. Ich las, schrieb, fotografierte und fuhr von einem schönen Ort zum anderen.

Der nördlichste Zipfel der Südinsel

Meine nächste Station war Farewell Spit und der Wharariki Strand, den ich gern  Elefantenstrand nenne, weil mich der Felsen an die großen Tiere erinnert.

Kennt ihr das Startbild von Windows 10 mit dem sonnigen Strand und den Felsen? Auf meiner aktuellen Arbeit habe ich mich anfangs gewundert, woher meine Kollegen wissen, dass ich genau dort in Wharariki war und sie liebenswerterweise dieses Bild dort platziert hatten. Aber nein, das ist ein Standardbild von Windows und ich freu mich trotzdem jedes Mal, wenn ich es im Büro sehe, denn dann schwelge ich kurz in Erinnerungen! 😉

Als ich am Wharariki Strand war, bedeckten graue Wolken den Himmel und eine starker Wind trieb den feinen Sand und die genauso feine Gischt über den riesigen breiten Strand. Nur gegen Ende bekam ich ein paar Sonnenstrahlen zu sehen. Neben den Felsen und dem Ausmaß des Strandes beeindruckten mich auch die Seehunde dort. Zuerst dachte ich, sie wären krank, alt oder bereits tot, denn sie lagen einfach herum und rührten sich kein bisschen. Doch nach einiger Zeit und genauer Beobachtung zuckte dann doch mal ein Barthaar oder ein Seehund drehte sich etwas um und ich war sehr erleichtert. Sie lagen wirklich die meiste Zeit nur faul am Strand rum, ignorierten die Besucher und wälzten sich gelegentlich im Sand.

Die Nacht verbrachte ich auf Bärbels Reiterhof, dem Hack’n Stay Horse Riding and Accommodation, der von einer ausgewanderten Deutschen betrieben wurde. Auch dieser Campingplatz war rudimentär: Bad und Dusche war vorhanden, Kochen musste man selbst mit dem eigenen Campingkocher und die Parkplätze bestanden aus neu aufgeschüttetem Schutt. Ich wollte zum ausgeschilderten Strand und die Frau meinte noch, es wäre ein wenig matschig vom vielen Regen. Gut, ein bisschen Matsch sollte erträglich sein, dachte ich. Der Weg führte über eine grüne Pferdekoppel und wurde dann  wirklich moddrig. Und wie! Ich musste durch knöcheltiefen Matsch und rutschte den Hang hinab – das war nicht nur ein bisschen! Ich versuchte kleine Umwege durchs Gestrüpp zu nehmen, doch es half nicht viel, meine Stoffschuhe waren komplett verdreckt. Für den Strand hatte es sich gerade so gelohnt, er war sehr lang mit grauem Sand und spiraligen, spitzen Muscheln.

Zusammen mit dem Sand vom schwarzen Strand af der Nordinsel und den Muschelstücken aus Coromandel bastelte ich kleine individuelle Souvenirs.

Für den Weg zurück nahm ich einen Arm voll Holzstücke mit, um an den schlimmsten Matschstellen rettenden Halt für die Füße zu haben. Irgendwie schaffte ich es halbwegs sauber wieder zurück zum Auto zu kommen, doch ein bisschen matschig war stark untertrieben.

Pupu Springs – ein Geheimtipp

Mein absolutes Highlight im Norden der Südinsel war Te Waikoropupu Springs, abgekürzt Pupu Springs. Es war und ist einer der heiligsten Orte der Maori in ganz Neuseeland und ich konnte das sehr nachvollziehen! Etwas versteckt lag der Parkplatz mit dem kleinen Info-Pavillon und ich musste aufpassen, dass ich nicht die Abfahrt vom Highway verpasste. Der Pavillon war wie eines der Maori-Tore der Gemeinschaftshäuser gebaut und kennzeichnete den Eingang zu diesem besonderen Ort. Der ausgeschilderte Rundweg führte über Stege an dem See und den Quellen entlang und Geländer ließen keinen Zweifel daran, dass es untersagt war, den Weg zu verlassen.

Nur ein einziges Mal war es Tauchern erlaubt den Quellsee zu betreten und Aufnahmen Unterwasser zu machen, doch das war eine sehr seltene Ausnahme. Es muss ein beeindruckendes Erlebnis gewesen sein. Ich habe selten in einem See so klares Wasser gesehen und schon von der Oberfläche aus sah ich am Grunde die verschiedensten Farbschattierungen von Blau bis Grün, Gelb, Weiß und sogar etwas Rotes. Das Wasser sprudelte aus den Tiefen hervor und versetzte die Oberfläche in stete Bewegung. Eine flache Stelle war mit „die Quelle des tanzenden Sandes“ betitelt und der Name sagte schon alles: das sprudelige Wasser hob den gröberen Sand zu tanzenden Wirbeln empor und ließ ihn wieder fallen. Wie an schäumenden Wellen an den Küsten konnte ich mich an der allgegenwärtigen Bewegung und dem Spiel des Wasser kaum satt sehen. Die Besonderheit des Ortes war für mich fast schon physisch zu spüren. Nicht umsonst ist es eines der wichtigsten Naturheiligtümer der Maori und Legenden erzählen von den Beschützern der lebenspendenden Quellen.

Nelson Lakes – Angriff der Sandfliegen

Am gleichen Tag fuhr ich weiter in den Süden zu den Nelson Lakes. Die zwei Seen waren berühmt für Wanderwege durch satte grüne Wälder entlang der schmalen, fjordartigen Seen mitten im Landesinneren. Die Straßen schlängelten sich abermals bergauf und bergab durch die Landschaft, sodass selbst mir als Fahrerin des Autos schlecht wurde und das will schon etwas heißen! Am Rotoroa-See (nicht zu verwechseln mit Rotorua !) erwartete mich ein Ausblick mit tiefhängenden Wolken, die die Berge verdeckten, und Schwärme von Sandfliegen, die nur darauf warteten, dass der lebensmüde Camper das schützende Auto verließ und sich auf ihn stürzten. Nur so viel: ich habe überlebt und nur wenige Narben behalten. 🙂

Die Sandfliegen sind nicht zu unterschätzen und eine Plage hundert Mal schlimmer als Mücken. Klein wie Fruchtfliegen und harmlos aussehend, verheilen ihre Bisse jedoch erst nach mehr als drei Wochen und die Haut reagiert deutlich schlimmer darauf als auf die normale Mücke in unseren Breitengraden.

Am nächsten Morgen wollte ich die Wanderwege rund um den Lake Rotoroa Campingplatz ausprobieren, doch die meisten waren noch durch die Folgen des Erdbebens im November gesperrt. Dennoch versuchte ich mich an einem kleinen Rundweg und wanderte am Ufer des Rotoroa-Sees entlang. Gegen Mittag fuhr ich dann nach Westport an der Westküste der Südinsel, schickte dort endlich das Weihnachtspaket in die Heimat und füllte mein Proviant auf. Die Berglandschaft bis dahin war toll: hügelig und grün. Mein Nachtlager fand ich bei Jack’s Gasthof, wieder deutsche Einwanderer. Und wie auch schon bei Bärbel, gab es einen Plan von dem Gelände und genaue Anweisungen und Hausregeln – ist das wirklich so typisch deutsch? Der Gastwirt war sehr kurz angebunden und ich zog mich schnell in meinen Van zurück. Eins fiel mir dennoch auf: Auf dem Tresen stand ein Buch als Leseempfehlung, das ich bereits im Arthouse Hostel in Napier gelesen hatte.

Was scheren mich die Schafe, eine wunderbar selbstironische Beschreibung einer deutschen Auswandererfamilie, die von dem doch unterschätzten Kulturschock in Neuseeland in ihrem ersten Jahr berichtete.

Es war wirklich ein schöner Platz zum Campen. Auf dem grünen Gelände mit hohem Gras konnte ich unter Bäumen parken und vom Bett aus das Blätterdach über mir beobachten. Ich versuchte mein Abendbrot am Picknicktisch im Freien zu essen, doch vor lauter Wind war das kaum möglich. Auch andere Camper füllten gegen Abend die anderen Parklücken, doch irgendwie blieb jeder unter sich (vielleicht durch den Wind im Auto gehalten?) und ich begnügte mich mit meinen Büchern und Notizen. So verbrachte ich meine erste Nacht an der Westcoast, bevor es zu den Gletschern weiterging.