Die Cook Strait, auf Maori Raukawa genannt, wurde von den Maori immer wieder überquert, um auf der anderen Insel zu jagen, handeln, kämpfen und zu fischen. Die berühmteste Überquerung wurde von Hinepoupou bewerkstelligt. Sie schwamm allein die 80 Kilometer durch die Seestraße und trotzte den Wellen und dem Wind. 1990 wurde die gleiche Strecke von Extremschwimmern als Marathon nachgeahmt.
Hinepoupou wurde auf eine Jagdexpedition nach Kapiti von ihrem Mann und dessen Bruder mitgenommen. Die Maori fingen damals Vögel auf der Insel und konservierten sie in Fett. Als das Kanu mit den Vorräten gefüllt war, ließen die beiden Männer Hinepoupou einfach im Wald auf der Insel zurück. Die Beweggründe sind nicht überliefert. War es, weil die Männer so viel Vorräte anlegen konnten, dass kein Platz mehr für die Frau war. War es, weil der Ehemann seiner Frau überdrüssig wurde. Ich weiß es nicht. Hinepoupou fürchtete jedoch, auf der unbewohnten Insel nicht wiedergefunden zu werden und beschloss nach Hause zu schwimmen. Sie wartete gutes Wetter und die richtigen Gezeiten ab und glitt ins Wasser. Sie hörte noch ihre Hunde bellen, die sich nicht trauten ins Wasser zu gehen. Diese stehen noch heute auf einem Riff an der südwestlichen Ecke von Kapiti, ihre Schnauzen den wilden Wassern der Seestraße zugewandt und zu Stein verwandelt.
Zuerst halfen Hinepoupou die Strömungen um Kapiti, doch sehen konnte sie nur die hohen Wellen und die Gischt. Manchmal leisteten ihr Möwen Gesellschaft. Ab und zu konnte Hinepoupou auch von einem Wellenkamm aus einen Blick auf die Berge des Südens erhaschen, die sich doch gleich wieder dem Blick entzogen. Ein Delfin, Kahurangi, kam schließlich zu ihr und zeigte ihr den Weg, indem er ihr voranschwamm. Er gab ihr Mut und Zuversicht an der schlimmsten Stelle der Strecke. Es sind 50 Seemeilen von Kapiti nach Rangitoto und Hinepoupous Arme wurden langsam müde. Sie ließ sich von Zeit zu Zeit treiben, um ihre Muskeln zu entspannen und begann von neuem zu schwimmen, wenn die Wut über ihren treulosen Ehemann ihr neue Kraft verlieh. Schließlich kam die Küste der Südinsel immer näher und sie erreichte Rangitoto, die Heimat ihres Vaters. Mit letzter Anstrengung schleppte sie sich an Land wie ein Seehund. Dort ruhte Hinepoupou sich aus und sammelte neue Kraft und kehrte zu ihrem Vater zurück. Zusammen mit ihm heckte sie einen Racheplan aus, um ihren treulosen Ehemann und dessen Bruder zu töten. Der Vater nahm die beiden Männer zum Fischen auf See hinaus. Währendessen versteckte sich Hinepoupou am Ufer und als der Vater wieder Richtung Ufer zurückkam, fing sie an zu singen und beschwor so einen Taniwha herauf, der in der Bucht hauste. Dieser verursachte einen so starken Sturm, dass die beiden Männer kenterten und ertranken. Hinepoupou hatte sich gerächt.


