Matamata bis Taupo – Hobbits, Hotpools und Hostels

Schon vor meinem Abflug nach Neuseeland wusste ich, dass eine Sehenswürdigkeit Pflicht für mich war: Als ehemalige Filmstudentin musste ich unbedingt nach Hobbiton in der Nähe von Matamata, wo die Szenen aus dem Auenland von Herr der Ringe gedreht wurden. So nahm ich Abschied von meiner Gastfamilie in Rotorua und machte mich auf den Weg zu den Hobbits. Anschließend folgte ich der Spur der Jobsuche ins Landesinnere der Nordinsel.

Matamata – Hobbiton

Ich kannte die Bücher Tolkiens und alle Filme von Herr der Ringe, die natürlich hier in Down Under gedreht wurden. Hobbiton, der Drehort des Auenlandes, wo die kleinen Hobbits wohnten, wurde auf der Nordinsel überschwänglich beworben und lange Bustouren von allen Teilen der Insel angeboten. Auch wenn es nicht sehr preiswert war, so wollte ich mir diese Erfahrung nicht entgehen lassen und fuhr nach Matamata. Obwohl es in den Tagen davor immer wieder regnete, hatte ich großes Glück, denn genau in den zwei Stunden der Führung durch das Filmset schien die Sonne. Dennoch mussten wir über Pfützen springen und bekamen vorsichtshalber einen grünen Regenschirm in die Hand gedrückt. Nach einem kurzen Spaziergang durch die Hügel kamen wir schließlich im Land der Hobbits an. Grüne Hügel bestimmten die Landschaft, in der Ferne sah man eine Herde weißer Schafe und vor jeder runden Tür ließ ein gepflegter Garten die Illusion entstehen, dass doch noch ein Halbling durchs Bild huschen könnte.

Das Filmset ist in privater Hand. Der Viehbauer, dem das Grundstück gehört, musste erst von seinem Sohn überzeugt werden, das Land dem Filmteam zur Verfügung zu stellen. Er hatte noch nie von Herr der Ringe gehört. Nach dem Dreh wurden die Requisiten wieder entfernt und die ersten touristischen Besucher des Filmsets mussten sehr enttäuscht gewesen sein, als sie nur graue Löcher in grünen Hügeln fanden. Doch nach dem Dreh für die Hobbit-Trilogie bestand der Sohn des Viehbauern darauf, dass die Türen und Gartenanlagen bestehen blieben und lockte so umso mehr Filmenthusiasten zu seinen Hügeln.

Es war beeindruckend. Es gab Hobbithauseingänge in allen Größen, die sich in Etappen um den Hügel verteilten. Riesige Bäume überschatten die Wege, die meisten davon echt, doch einer so unecht wie die Kürbisse aus Pappmaché. Manche der Hauseingänge wiederum waren so klein, dass ich daneben wie ein Riese wirkte, manche so groß, dass ich im Türrahmen stehen konnte. Zwei Zentimeter blieben zwischen mir und dem Türrahmen. Die meisten anderen Besucher – außer die Asiaten – mussten sich ducken, um in die Tür zu passen. So war es nun offiziell: ich bin ein Hobbit! Ich habe so viele Fotos gemacht, von den Gärten, den Hügeln, den Türen, von Frodos und Sams Hauseingang und dem Green Dragon Inn, dem Hobbit-Pub. Als ich später nochmals die Filme sah, konnte ich sagen „dort bin ich lang gegangen, dort habe ich ein Foto gemacht und dort ein Gingerbeer getrunken“. Das war schon etwas Besonderes. Ich kam mit zwei Mädchen aus Australien ins Gespräch und wir tranken zusammen unser Freibier im Hobbit-Pub. Für mich gab es leider nur ein alkoholfreies Gingerbeer, da ich noch zu meiner Unterkunft fahren musste. Dennoch hat sich die Tour definitiv gelohnt! Wer Tolkien und die Filme liebt, sollte Hobbiton nicht verpassen.

Noch euphorisch von der Tour (und vielleicht doch dem Bier?) fuhr ich zu meiner Unterkunft für die Nacht. Ich hatte einen privaten Campingplatz in der Nähe von Matamata gefunden. Am Tor erwartete mich ein Minion und ansonsten bestand der Campingplatz aus einer Stellfläche für die Autos und einem Container mit Dusche, Klo und Steckdose. Sehr minimal, doch ausreichend. So verbrachte ich meine erste Nacht draußen im Camperauto mit Ausblick auf die Hobbithügel und einem rotgoldenen Sonnenuntergang. Die Nacht war kalt und ich war froh über meinen guten Winterschlafsack. Am Morgen boten mir meine deutschen Campingnachbarn einen frisch gebrühten Kaffee aus ihrem gemieteten Luxuscamper an und schon ging es weiter wieder Richtung Süden.

Später fand ich eine Stellenausschreibung als Barkeeper im Green Dragon Inn in Hobbiton. Das wäre wirklich ein Traumjob gewesen. Leider war diese Stelle allein ausgeschrieben für Neuseeländer, keine Backpacker. Schade!

Waikete Valley und Wai-O-Tapu – HotPools

Von Matamata aus fuhr ich im Regen wieder über Rotorua Richtung Taupo. Damit folgte ich der vulkanischen Verwerfung und fuhr durch eine dampfende Landschaft. Ich wollte eine der Empfehlungen von Bernhard und Tatjana beherzigen und fuhr ins Waikete Valley. Nach einer kleinen Irrfahrt, da ich eine Abzweigung verpasste, fand ich schließlich den gesuchten Campingplatz. Er war ein Traum! Denn es war ein Campingplatz mit natürlichen heißen Quellen. Wer dort übernachtete, konnte diese kostenlos benutzen und das nutzte ich aus. Es gab mehr als fünf Becken, die von den natürlichen heißen Quellen ringsum gespeist wurden. Es dampfte und brodelte und zwischendurch kam auch mal die Sonne hervor. Besser konnte man einen Herbsttag nicht verbringen. Dabei kam ich mit einer Californierin und einer Agentinierin ins Gespräch und genoß ansonsten die heißen Quellen bis in die Nacht hinein. Völlig aufgeweicht, aber tiefenentspannt kroch ich zum Schlafen in mein Auto.

Nach der diesmal etwas unruhigen Nacht (im Auto zu schlafen ist doch etwas gewöhnungsbedürftig) wärmte ich mich morgens nochmal im Pool auf, bevor ich nach Wai-O-Tapu, dem vulkanischen Wunderland, aufbrach. Auch hier musste man wieder Eintritt bezahlen, doch das lohnte sich auch hier. Ich kam gerade noch rechtzeitig zum morgendlichen Ausbruch des Lady-Knox-Geysirs und traf dort die Californierin wieder. So schlenderten wir zusammen durch die brodelnde und stinkende Lanschaft. Wai-O-Tapu ist ein Landschaftsabschnitt, der durch die vulkanischen Aktivitäten wie die Palette eines Malers aussieht. Die Farbe der Tümpel reicht von Giftgrün über Blau bis Orange. Es brodelt und blubbert und dampft aus der Erde und manche Austrittsstellen sind gelb gefärbt vom Schwefel. Bei all dem Schauspiel wurde mir einmal mehr in diesem Land bewusst, wie dünn doch hier die Erdkruste ist. Nachdem wir uns jede Ecke angeschaut und bestimmt vier Stunden gewandert waren, war ich ziemlich ko. Die Californierin schenkte mir noch einen Berg Lebensmittel, die sie in den drei Tagen ihres restlichen Neuseelandaufenthalts nicht verbrauchen konnte und dann trennten sich unsere Wege (wie man merkt, habe ich sogar leider ihren Namen vergessen). Nach einer kurzen Pause bei den Schlammblubbertümpeln fuhr ich schließlich weiter nach Taupo.

Taupo – Hostelzeit

Taupo befindet sich am gleichnamigen See in der Mitte der Nordinsel und ist der entfernteste Ort zu den Küsten. Entlang der Uferpromenade hat man bei schönem Wetter eine gute Aussicht auf den See und die nahen Berge. Als ich dort ankam, war die Landschaft wolkenverhangen und grau. Von den Bergen war keine Spur zu sehen. Der Ort sollte eigentlich meine Basis-Station werden für das Tongariro Crossing, die wohl berühmteste Tageswanderung auf der Nordinsel Neuseelands. Im Hostel rieten mir jedoch die anderen Gäste davon ab, da das Wetter in den Höhen unglaublich kalt, windig und wechselhaft und somit gefährlich war. Es wurde Sturm und Schnee angesagt. Am Strand von Mount Maunganui und in den heißen Pools hatte ich vergessen können, dass es Winter war in Neuseeland. Also wartete ich einige Tage im Hostel auf einen Wetterwechsel, doch es regnete weiter und ich nutzte die Zeit zum Fotos sichern und nach bezahlten Arbeitsstellen suchen.

Mein Plan war es, nicht den Jobs hinterherzureisen, sondern der eigenen Route zu folgen und zu schauen, ob sich auf dem Weg etwas ergibt.

Als es dann doch mal aufhörte zu regnen (grau war es trotzdem noch) fuhr ich zu einer etwas entfernteren Stelle am Ufer des Sees. Maria, eine Argentinierin aus dem Hostel, hatte sie mir empfohlen. Nach einer kleinen Wanderung kam ich zu flachen, bizarr ausgewaschenen Felsen, an denen sich durch den starken Wind die Wellen brachen. Ich musste sehr aufpassen, dass ich keine nassen Füße bekam, denn die flachen Felsen, aus denen das Ufer bestand, wurden von den Wellen überspült.  Bei besserem Wetter hätte man wohl weiter sehen können, dennoch wurde ich mit einem Regenbogen über dem See belohnt. Ich versuchte am Ufer des Sees so weit zu wandern wie möglich, denn ganz in der Nähe gab es an einem Felsen des Lake Taupo ein Maori-Relief, das in den 70er-Jahren von einem Maori-Künstler geschaffen wurde. Leider gab es keinen Landzugang, sondern man musste einen Bootstour dafür buchen. Da ich immer noch knapp bei Kasse war, ließ ich auch das aus. Dennoch versuchte ich bei der Wanderung um den See einen Blick darauf zu erhaschen. Doch ich musste vor einer Steinwand am Ende des Weges kapitulieren. Vielleicht hätte man im Sommer von der Stelle aus zum Relief schwimmen können, doch nicht bei den Temperaturen. Auf dem Rückweg fand ich jedoch eine kleine Maori-Statue, die auf der Offlinekarte Maps.me verzeichnet war und in keinem Reiseführer auftauchte. Ich fühlte mich wie eine Entdeckerin als ich schließlich die Statue im Dickicht der Bäume fand.

Am nächsten Tag gab ich schließlich das Warten auf, denn ich hatte eine dreiwöchige Helpx-Stelle in einem Hostel in Napier gefunden. Dort wollte ich in den drei Wochen versuchen, eine bezahlte Stelle zu finden und endlich Geld zu verdienen. Die Fahrt nach Napier war lang und bergig und es gab entlang des Weges ausgeschilderte Aussichtspunkte, denn die Landschaft war wieder einmal beeindruckend und anscheinend nicht nur für mich. Ich stieß auf ein Schild am Highway, das sagte: Don’t stop on the bridge! und ich dachte noch, Warum, zum Teufel, sollte man so etwas Dummes auf der einspurigen Brücke tun? Als ich die Brücke langsam und vorsichtig überquerte, warf ich einen kurzen Blick Richtung Fluss und wusste plötzlich warum: der Anblick war – mir fehlen einfach andere Adjektive – atemberaubend: unter der schmalen Brücke erstreckten sich ein reißender Fluß und sandsteinfarbene, schroffe Klippen, denen man die Zeitalter wie bei einem Baum an den Streifen ablesen konnte und gekrönt waren von tiefgrüner, dichter Vegetation. Natürlich hielt ich nicht an, um ein Foto zu machen, aber ich fand beim nächsten Aussichtspunkt einen Wasserfall, der aussah wie aus einer Kinderbuchillustration von Astrid Lindgrens Ronja Räubertochter.

Den Nebel und das Grau hinter mir lassend, kam ich schließlich am späten Nachmittag in Napier an, wo mich strahlender Sonnenschein und Wärme erwartete. Hier verbrachte ich fast vier Monate und überdauerte den Winter.

3 Antworten zu „Matamata bis Taupo – Hobbits, Hotpools und Hostels”.

  1. […] ich endlich die Berge zwischen Taupo und Napier hinter mir lassen konnte, erstreckte sich eine großartige Aussicht über den gesamten […]

  2. […] Reitern versteckten. So in natura war es etwas ernüchternd. Ich bin selbst nicht die Größte und könnte glatt als Hobbit durchgehen, doch ich hatte wirklich Probleme, mich soweit zu ducken, dass ich mich in der Erdmulde verstecken […]

  3. […] – das Maoridorf am Seeufer, der Waikete Valley Campingplatz mit heißen Quellen und das brodelnde Wai-O-Tapu Volcanic […]