Am Ufer des Lake Rotorua dampfte und brodelte es. Für mich war es eines der beeindruckensten Erlebnisse auf der Nordinsel Neuseelands, dennoch war ich froh während meines Besuchs in Rotorua Schnupfen zu haben, denn wenn der Wind ungünstig stand, konnte man den Schwefelgeruch riechen, der vor allem im Sommer das Stadtbild bestimmt.
Doch nirgends sonst hatte man das Gefühl, dass die Erdkruste an dieser Stelle besonders dünn und durchlässig sei. Meine fast täglichen Spaziergänge in die Stadt führten mich am Ufer des Lake Rotorua entlang und durch ein Maoridorf, das nicht durch hohe Zäunen und stattliche Eintrittspreise vor neugierigen Blicken abgeschottet war. Hier konnte man das Gemeinschaftshaus und die Kirche bewundern, die im traditionellen Stil – weiße Wände und rostrote Holzverkleidungen – gebaut waren. Wahrscheinlich war im Sommer auch mehr los im Dorf. Im Winter erschien die Gegend etwas eingeschlafen.
Ich fand es umso entspannter ohne Menschenmassen mir die Sehenswürdigkeiten anzusehen. Und ich hatte genügend Zeit, den richtigen Winkel für das Postkartenbild zu finden. Dieses Mal war es wirklich einfach und offensichtlich, von wo das Foto geschossen wurde. Ich war am späten Nachmittag dort und stellte fest, der Morgen wäre günstiger gewesen, um die dunklen Schatten zu vermeiden. Dennoch schuf die warme Abendsonne eine winterlich, gemütliche Atmosphäre, die man nur schwer im Bild festhalten kann.
Das Maoridorf am Seeufer war wie ein Geheimtipp für mich, denn die Fremdenführer, die ich dabei hatte, schwiegen darüber und empfahlen lediglich die Touristen-Maori-Dörfer. Es lohnt sich also die Orte auf den Postkarten zu suchen und so doch auch manchmal über Sehenswertes abseits des großen Touristenstroms zu stolpern.



