Postcard vs. Reality

Postcard vs. Reality – Karangahake Gorge

Was würde ich nicht alles machen für das Fotoprojekt! Die entlegensten Orte aufsuchen, Leib und Leben riskieren (oder zumindest das Leben der Kamera), wenn ich über rutschige Felsen klettere, um den richtigen Winkel zu finden in detektivischer Präzision. Doch mitten im neuseeländischen Winter in einen reißenden Fluss waten, um eben genau das zu finden: den richtigen Winkel?

Nein, das ist einfach zu viel!

Ich bin meiner Expat-Schweizer-Gastfamilie sehr dankbar, dass sie mir diesen wundervollen und abenteuerlichen Ort gezeigt haben. Ich wäre sonst daran vorbeigerauscht. Doch in den vier Tagen in Paeroa war dies das absolute Highlight.

Die Karangahake Gorge ist eine enge Schlucht, durch die sich der Ohinemuri Fluss schlängelt. Sie bildet eine natürliche Trennung der Gebirgszüge der Coromandel Range und Kaimai Range am südlichen Ende der Coromandel Halbinsel. Das Besondere sind die Überreste des Bergbaus und des Goldrauschs aus der Zeit zwischen 1870 und 1950, die wie eben noch benutzt überall auf dem Besucherareal zu finden sind. Laut Wikipedia bedeutet das Wort Karanga-hake in der Sprache der Maori so viel wie Alarmruf von der anderen Seite, denn die in der Schlucht lebenden Maori-Gruppen waren oft Angriffen durch andere Gruppen aus dem Osten ausgesetzt. Und ihre Späher auf den Hügeln entlang des Flusses erzeugten mit einem hölzernen Gong ein Alarmsignal, um die Menschen vor dem anrückenden Feind zu warnen.

Die Gegend bietet heute zahlreiche Aktivitäten für den bewegungsfreudigen Besuche, wie Wandern, Klettern, Mountainbike fahren, historische Plätze des Goldrauschs besichtigen, Fischen, Schwimmen, Wildwasserrafting, Picknicken, mit der Museumsbahn fahren oder für die Glückspilze: Edelsteine suchen. Ich fand den Windows Trail am beeindruckensten, da er durch alte Stollen und an steilen Hängen entlang des Flusses führt. Die Aussicht war einfach atemberaubend und abenteuerlich.

Ein kleiner Tipp am Rande: man sollte eine Taschenlampe parat haben, denn die Stollen sind nicht beleuchtet.

Die Postkarte und so auch mein Foto entstanden in der Nähe des Besucherparkplatzes des Ortes Karangahake. Es ist einer von drei Zugängen zu dem historischen Minenareal und war der Endpunkt meiner Expedition. Wie bereits angedeutet, habe ich leider nicht den exakten Winkel der Postkarte treffen können, da ich sonst in das eiskalte Wasser des Flusses hätte steigen müssen. Vielleicht ist das im Sommer möglich. Im Winter nach langen Regenfällen ist es eher nicht zu empfehlen. Der Wasserspiegel lag deutlich höher als auf der hübschen Postkarte. MIch verabschiedete der Ort mit einem großen und kräftigen Regenbogen und zusammen mit den Stollen und Wanderwegen gehört er zu meinen Geheimtipps in Neuseelands Norden.