Ich war kurz davor Thames zu verlassen und an meinem nächsten Wunschziel, dem kleinen Städtchen Katikati, hatte mir noch keine neue Helpx Gastfamilie zugesagt und so landete ich für ein paar Tage bei einer Ex-Schweizer Familie mit Teenietochter und einem Schuppen voller Orchideen.
In Deutschland gibt es bei der Überschrift nur eine Frage: Was ist L&P? In Auckland hatte ich Gerüchte darüber gehört und erst in Port Charles wurde ich damit bekannt gemacht. L&P steht für Lemon & Paeroa und ist Neuseelands zuckersüßes Äquivalent zur Sprite.
KurzInfo
Es gibt 14 Orte in Neuseeland, die sich rühmen können irgendeinen riesigen, überdimensional großen Gegenstand auf ihrer Sehenswürdigkeiten-Liste zu haben.
Die da wären:
- Die Riesenkarotte in Ohakune
- Der Riesengummistiefel in Taihape
- Die riesige L&P Flasche in Paeroa
- Die Riesenkiwifrucht in Te Puke
- Der Riesenlachs in Rakaia
- Der riesige Schafscherer in Te Kuiti
- Der riesige Schäferhund und das Riesenschaf in Tirau
- Die Riesenforelle in Gore und Taupo
- Die Riesenfrüchte in Cromwell
- Dei Riesensandfliege in Pukekura
- Die Riesenlanguste in Kaikoura
- Der Riesenkiwivogel in Eketahuna
- Der riesiger Pullover in Geraldine
Aus „Das kuriose Neuseeland Buch – Was Reiseführer verschweigen“ von S. Barnett und J. McCrystal. Danke Gerald Perschke für diese wundervoll unterhaltende Reiselektüre!
Zwei davon habe ich persönlich gesehen. Wer mir Selfies mit den anderen schickt, stecke ich in eine extra Galerie!
Der Ort
Paeroa wird gern von Touristen übersehen, obwohl es sich nationaler Berühmtheit durch die hier hergestellte Limonade erfreut. Ich habe von dem Ort wenig gesehen, da meine Gastfamilie mal wieder etwas außerhalb wohnte. Dennoch nahm mich Sabine, meine Gastgeberin, an einem Tag mit in die Stadt und ich war überrascht, wie unglaublich viele Vintage- und Antiquitäten-Läden in dem kleinen Städtchen zu finden sind. Um so mehr ich war ein wenig traurig, dass ich nicht den Platz in meinem Rucksack hatte, um mich nach kleinen Souvenirs durch den alten Trödel zu wühlen. Und eines ist sicher: In den Secondhand- und Trödelläden kann man wirklich noch Schätze zu kleinen Preisen finden, denn das Vintage und Retro-Fieber, das hierzulande herrscht, ist dort am anderen Ende der Welt noch nicht angekommen.
Die Menschen
Sabine, Roger und Michelle sind ausgewanderte Schweizer und ähnlich wie die Gastfamilie in Thames vor 20 Jahren nach Neuseeland gekommen. Sabine ist Krankenschwester und so hatten wir meist das Gesundheitswesen Neuseelands als Thema. Roger war ehemaliger Orchideenzüchter und Besitzer eines Schmetterlingshauses. Auch als ich dort war, gab es ein ganzes Gewächshaus mit den tropischen Blumen. Nun kümmerte sich Roger um das Land, das Vieh und den Garten. Wie Sabine es formulierte: Ihr Stück Land ist größer als ein Lifestyle Block, den der durchschnittliche Neuseeländer neben seiner beruflichen Tätigkeit unterhält, um sich mit Gemüse und Kleinvieh selbst zu versorgen, aber zu klein, um ausschließlich davon leben zu können. Mit Roger kam ich auf keinen gemeinsamen Nenner, vielleicht lag es daran, dass er sich über das noch nicht allzu alte Gesetz in Neuseeland beschwerte, wonach es nun absolut verboten sei, seine Kinder zu schlagen und damit auch keine Ohrfeigen mehr erlaubt seien. Er war zudem nicht gut auf meinen vorherigen Helpx-Gastgeber zu sprechen. Michelle, die noch im Haus lebende Tochter, war eher ruhig, 16 Jahre alt und was ich toll fand, wir schauten zusammen Die Legende von Korra, eine US-amerikanische Teenie-Fanatasy-Serie. Michelle verstand zwar das Schweizerdeutsch ihrer Eltern, sprach aber meist nur Englisch. Sie war zudem jedes Mal erstaunt, dass manche Worte im Schweizerdeutsch und meinem Deutsch mit Berliner Einfluss doch sehr verschieden waren und ich sie nicht jedes Mal verstand, wenn sie versuchte mit mir in meiner Sprache zu reden.
Die Arbeit
Insgesamt war die Familie distanziert und ich wusste nie so recht, was angebracht war und was nicht. Es gab keine klaren Anweisungen oder eine kurze Absprache, wie der Tagesablauf funktioniert und was von mir erwartet wird. Das machte es für mich schwer, mich zu orientieren und ich merkte auch, dass mich dann die Motivation verließ. Letztendlich blieb ich auch nur ein paar Tage dort, arbeitete im Garten (Himbeeren rausreißen) oder im Gewächshaus (Tomaten ausreißen), je nachdem, ob es regnete oder nicht. Meine Unterkunft bestand aus einem feuchten, muffigen Bungalow mit Heizdecke im Garten. Das war zu dem Zeitpunkt noch ungemütlicher als es sich anhört, denn der Winter hielt in Neuseeland Einzug und es regnete die meiste Zeit wie aus Eimern und wurde bereits empfindlich kalt in der Nacht. Daher verbrachte ich so viel Zeit wie möglich am einzigen warmen Ort auf dem ganzen Grundstück: auf dem Sofa gleich neben dem Kamin im kleinen Wohnzimmer. In mein abseitiges, 6qm-großes Bungalow zog ich mich nur zum Schlafen zurück. Und wieder einmal folgte mir bei jeder Gelegenheit treu auf dem Fuße der schwarze Familienhund, dessen Namen ich vergessen habe.
Die Highlights
Ich habe mich riesig gefreut, dass die Familie mir die Karangahake Gorge empfahl und mich dort für einen Nachmittag absetzte. Diese wilde Schlucht war ein ehemaliges Bergwerksgebiet, ich glaube für Kupfer. Und nach dem Einstellen des Betriebs blieb eine atemberaubende Flusslandschaft übrig, ein 1-km-langer Tunnel, der an der Grenze des Gruseligen war und leere Stollen, die man begehen konnte. Der Windows Trail ist sehr zu empfehlen. Dieser beeindruckte mich mit den Überresten aus der Bergbauzeit, alten Schienen und Loren und vor allem die alten Bergstollen, durch die man gehen musste, ohne Licht und Führung, doch mit fensterartigen Öffnungen hin und wieder, durch die man die steilen Hänge und gewundenen Pfade hoch über dem Fluss sehen konnte. Ich rauschte da durch, da mir nur wenig Zeit blieb bis zum vereinbarten Abholtreffpunkt und -zeit. Doch in jedem Fall war es abenteuerlich für mich und absolut atemberaubend. Die Karangahake Gorge ist einer der besten Orte auf der Nordinsel bisher. Oh ja, und bei meiner Gastfamilie durfte ich Buddhas Hand kennenlernen, eine Zitrusfrucht mit Aussehen einer Krake. Sie ist sehr aromatisch und ohne das Bittere in der Schale, was sie ideal machen soll für Rezepte mit Zitronenschalenzutat. Auch wenn die Zeit dort wirklich kurz war, so blieben dennoch ein paar Eindrücke lange haften.



2 Antworten zu „Paeroa – Heimat der großen L&P Flasche”.
[…] Paeroa ging es für mich nach Katikati zu einer großen christlichen Familie. Der Ort lockte mich vor […]
[…] – die vielleicht leicht zu übersehene Karangahake Gorge mit den Relikten des […]