Es gibt wundervolle, märchenhaft schöne Postkarten von den Must-See Orten aller Länder. Als ich vor zwei Jahren (ist es wirklich schon so lange her?!) Nordirland erkundete, wurde mir einmal mehr bewusst, dass diese überaus ästhetischen Postkartenbilder herzlich wenig mit der Realität zu tun haben. Die mystischen, von nebelartigen Wellen umspülten Steinformationen des Giants Causeway wurden bei meinem Besuch von touristischen Massen bevölkert und hatten wenig mit der Postkartenidylle gemeinsam
Hier entstand jedoch die Idee, die Postkartenbilder nachzustellen, die gleiche Perspektive zu finden und zu fotografieren. Anschließend kann jeder selbst nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden suchen, zwischen der realen Situation und wie die Tourismusindustrie die Orte zeigen möchte. Für mich als Fotografin wurde es zur visuellen Schnitzeljagd, denn fast schon detektivischer Spürsinn und ein Verständnis von Raum und Perspektive sind gefragt, um genau den gleichen Bildausschnitt zu finden und nachzustellen. Kurz gesagt, ich hatte sehr viel Spaß dabei!
Mein erster Versuch, die Ergebnisse dieser Fotojagd als eine Art Webseite umzusetzen, ist leider nicht sehr weit gekommen. Studium und andere zeitraubende Lebensumstände haben dem recht schnell in Ende gesetzt. In Neuseeland versuche ich nun dieses Fotoprojekt weiterzuführen und wiederzubeleben. Dabei stieß ich gleich auf einen der größten Unterschiede zwischen den ausgewählten Postkarten und meinen Fotos: das Objektiv. Ich reise mit dem Standardmäßigen Canon Objektiv mit 18-55mm Brennweite. Die Postkarten wurden jedoch mit einem weitwinkligerem Objektiv aufgenommen. Für wen diese Angaben Kauderwelsch sind: mit meinem Objektiv passt bei gleichem Standpunkt der Fotoaufnahme weniger aufs Bild. Das sieht man ziemlich deutlich bei meiner ersten Sehenswürdigkeit, den Whangarei Falls. Sieht man auf der Postkarte die Steinsäulen und den Wasserfall in seiner ganzen Pracht, so kann man bei meinem Foto gerade einmal die Steine erahnen und der Wasserfall ist eher ins Bild gequetscht. Nichtsdestotrotz werde ich es weiterhin versuchen, diese Postkartenidyllen aufzuspüren.



