Te Atatu, Waitakere und ein Wiedersehen

Die Tage in Auckland waren perfekt, um erste Eindrücke zu sammeln und das städtische Leben zu beobachten. Doch ich war mehr als froh, das anonyme Backpacker Hostel nach einer Woche zu verlassen, und nahm gerne die Einladung eines befreundeten Pärchens in Te Atatu an. So verbrachte ich die zweite Woche im Westen von Auckland, am Rande der Waitakere Ranges

Die lokalen Namen

Wie ich feststellen musste, werden die Bezeichnungen der Orte und Personen in der Maori Sprache nicht so ausgesprochen, wie sie geschrieben werden. So sorgte ich zuerst für Verwirrung und dann Belustigung, als ich der Busfahrerin erklärte wo ich aussteigen möchte. Mein Ziel hieß Te Atatu, ein Vorort nordwestlich von Auckland. Ich dachte dies wird wie “Ti Ataaatu” ausgesprochen, doch der eigentliche Name war “Ti Aettattu” (ich hoffe, man kann sich den unterschiedlichen Laut vorstellen). Nach einer halben Stunde Busfahrt wurde ich jedoch an der richtigen Stelle abgesetzt.

Alte Bekannte

Vor zwei Jahren beschloss ich Couchsurfing in Irland auszuprobieren und bereiste so den Norden der Grünen Insel. So kam ich das erste Mal zu Agatha und Naoise. Das Paar lebte zu der Zeit in Galway und nahm mich sehr herzlich für eine Nacht bei sich auf. Aggie zeigte mir sogleich die Stadt, den Strand und ließ mich Guinness mit Johannesbeergeschack probieren. Mit Naoise unterhielt ich mich nach dem Abendessen noch stundenlang über Medien, Politik und Umwelt. Vor einem Jahr wanderten sie nach Neuseeland aus und schrieben mir gleich, ich solle mich melden sobald ich im Land bin. So landete ich in Te Atatu. Die beiden waren gerade eine Woche vorher an den Rand von Auckland gezogen und noch mitten in der Auspackphase. Das hielt sie jedoch nicht davon ab mir ein eigenes Zimmer zurecht zu machen und all ihre Iso- und Yogamatten aufeinander zu stapeln, damit ich einen bequemen Schlafplatz habe. Ich war so berührt und dankbar von der Herzlichkeit, mit der sie mich auch diesmal empfingen. Die ersten Stunden verbrachten wir mit Essen und Erzählen. Es war so interessant von ihren ersten Eindrücken in diesem Land zu hören und ebenfalls Irland mit Neuseeland verglichen. Und Aggie blühte richtig auf, als sie mir von ihren Erlebnissen in Asien und ihren Wanderungen in Waitakere erzählte. Bis zum Abend hatte ich dann bereits einen Berg von Prospekten und Broschüren der regionalen Wanderwege vor mir zu liegen und das Angebot von Aggie, mich am nächsten Tag irgendwo in den Waitakere Ranges abzusetzen. Das Gebiet ist eine Art Naturschutzgebiet mit zahlreichen Wanderwegen und alten Kauribäumen. Meine Wahl fiel auf daß Küstengebiet Karekare.

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Karekare

Der berühmteste Strand der Gegend ist Piha, doch Aggie empfahl mir zu dem südlicheren Küstengebiet zu gehen, da die Wanderwege schöner und die Natur abwechslungsreicher sei. Ausgestattet mit Karte, Proviant, Kamera und Wanderschuhen setzte sie mich also in Karekare ab. Das Wetter konnte sich nicht zwischen grauem und blauem Himmel entscheiden, aber es regnete nicht. Sobald ich den Wanderweg betrat, kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ich hatte noch nie vorher Farn-BÄUME gesehen und war beeindruckt von der Gleichzeitigkeit von Bekanntem und Exotischen (wovon ich bereits berichtet habe). Ich nahm den Zion Hill Track entlang der Klippen und wurde nach dem steileren Aufstieg mit toller Aussicht auf Strand und Meer belohnt. Die Wanderwege waren sehr gut ausgeschildert, sodass ich kaum die Karte benutzte und mich leicht zurecht fand. Der Zion Hill Trail führt nach ungefähr der Hälfte des Weges in einem Bogen hinunter durch die sogenannten Wetlands, einem Sumpfgebiet, bis zum schwarzen Sandstrand und zurück zum Ausgangspunkt. In den Wetlands beeilte ich mich sehr und ließ mir wenig Zeit zum Staunen, da es am Strand eine Stelle gab, die man nur bei Ebbe passieren kann, und ich hatte keine Ahnung vom Stand der Gezeiten. Die Wetlands waren aber genauso beeindruckend wie der Urwald, mit den hohen Gräsern und Aloe ähnlichen Pflanzen, deren Blütezeit wohl gerade vorbei war. Die Luft war erfüllt von ununterbrochenem Zikadengegrille, dem Rauschen des Wellen und dem Wind. Eine Mischung, die man nicht so schnell vergisst. An den Sumpf schlossen sich schwarze Sanddünen an mit vereinzelten spiralförmigen Muscheln. Der Weg war an dieser Stelle etwas schwieriger zu finden, denn allein vereinzelte Pfosten markierten den offiziellen Pfad. Doch ich folgte den Fußspuren im Sand und gelangte so zu einem Campingplatz am Strand. Das muss ein Anblick sein, morgens am schwarzen Sandstrand aufzuwachen. Hier stellte ich beruhigt fest, dass ich Glück hatte mit den Gezeiten und ich trockenen Fußes um die Felsen wandern konnte. Nun ja, nicht ganz: Ich kann beim Anblick des Meeres meist nicht widerstehen, zumindest mit den Füßen ins Wasser zu gehen. Ich zog also meine schweren Wanderschuhe aus und tauchte meine Zehen in die Tasmanische See. Zurück am Parkplatz wollte ich Aggie anrufen, damit sie mich wieder abholt, doch es gab keinen Handyempfang. Was nun? Nach ein paar ratlosen Augenblicken fragte ich die Wochenendausflügler am Strand, ob sie mir ihr Handy für einen kurzen Anruf leihen und erklärte die Situation. Ein russisches Paar bot mir schließlich an, mich mit zurück nach Henderson zu nehmen, wie sich herausstellte, nicht weit ab von Te Atatu. So hatte ich einen netten Rückweg mit neuen Bekannten.

Tägliche Abwechslung

Irgendwie passte ich das Wetter ganz gut ab. Den einen Tag verbrachte ich in der Natur und fuhr mit dem Bus so nah an die Waitakere Ranges heran, wie das öffentliche Verkehrsnetz es zuließ. Das war nicht sehr weit und ich musste manchmal erst fünf Kilometer laufen, um zum eigentlichen Wanderweg zu kommen. So lief ich manchmal 10 bis 15 Kilometer am Tag, was für mich als Gelegenheitswanderer doch eine lange Strecke ist. Aber das lohnte sich allemal. Den anderen Tag verbrachte ich in Te Atatu, eröffnete ein Konto, wusch Wäsche und plante meine weitere Reise oder den nächsten Tag. Abends saßen wir zu dritt beim Abendessen und hatten viel zu erzählen.

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Arataki

Mein zweiter Ausflug führte mich per Bus über New Lynn in den südlichen Teil der Waitakere Ranges. Dort wollte ich das Arataki Visitors Center besuchen und nahm ab Titirangi den Exhibition Drive. Dieser ist kaum als Wanderweg zu beschreiben, eher als ein flacher Spazierweg mit historischen Wurzeln. Der Weg führt an alten Wasserpipelines aus dem frühen 20. Jahrhundert entlang, wobei verblichene Schilder die Hintergründe und Besonderheiten erklären. Er endet schließlich an einem wunderschönen Aussichtspunkt. Für mich ging es jedoch weiter durch den Wald bis zum Visitors Center. Es ist dem Baustil eines Versammlungshauses der Maori nachempfunden und beherbergt eine kleine Ausstellung über die Flora und Fauna der Regionen und natürlich alle Wanderkarten, die mir Aggie bereits gezeigt hat. Die Aussicht war einfach nur atemberaubend. Man konnte weit über den Wald sehen und bis hin zur Symonds Bay. Als sich jedoch der Himmel zuzog, befürchtete ich schon auf dem Rückweg nass zu werden. Doch ich hatte Glück: Ich lief noch einen kleinen Naturpfad ab und lernte so endlich den für Neuseeland so besonderen Kauribaum kennen, denn der Weg führte zur sogenannten Kauri Cathedral. Hier standen mehr als fünf der 500 Jahre alten Kauribäume in einem Halbkreis zusammen und bildeten einen beeindruckenden Anblick. Es ist schon seltsam, wenn man bedenkt, dass diese Bäume bereits lebten als es noch nicht einmal eine Dampfmaschine geschweige denn Elektrizität gab.

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Fairy falls

Der Name des Wasserfalls machte mich neugierig und so beschloss ich auf meiner dritten Wandertour zu den Fairy Falls zu gehen. Der Weg dahin war jedoch nicht ganz ungefährlich. Er führte entlang der befahrenen Strasse und es gab keinen Fußgängerweg oder ähnliches. Man muss dazu wissen, dass die Neuseeländer nicht daran gewöhnt sind, die Strasse zu teilen, weder mit Fahrradfahrern und erst recht nicht mit Fussgängern. Es gibt regelrecht Kampagnen, die darauf aufmerksam machen sollen, dass man eben nicht allein auf der Straße ist.  Mich machte das etwas mulmig. Also folgte ich dem ersten Wanderweg, den ich fand…den Sharp Bush Track. Der stellte sich jedoch auch nicht als Spazierweg heraus: man gelangte allein über glitschige Steine und durch eiskaltes Wasser zur anderen Seite. Der Rest des Weges war auch nass und matschig, denn die Tage vorher hatte es immer wieder geregnet. Doch am Ende lohnte es sich wiedereinmal: Der Anblick  des Wasserfalls war umwerfend und glücklicherweise hatte ich vorsorglich ein kleines Tischstativ eingepackt und versuchte dem Namen entsprechend feenhafte Fotos mit fluffigem Wasser zu machen. Dabei traf ich Emma und James das erste Mal. Das junge Pärchen überholte mich und wir unterhielten uns kurz über den Weg und das Wetter. Ich traf sie ein zweites Mal, als sie auf dem Rückweg waren und mir entgegenkamen. Und schließlich traf ich sie ein drittes Mal, als sie neben mir mit dem Auto anhielten und fragten, ob sie mich zurück in die Stadt mitnehmen können. So leicht lern man hier neue Leute kennen!

Sturmfrei

Das Wochenende nutzte ich komplett zum Planen. Aggie und Naoise fuhren mit Freunden nach Coromandel und ich hütete das Haus. In der lokalen Bibliothek fand ich heraus, dass der Zugang zum Eduroam, einem Internetzugang von Universitäten, auch hier in Neuseeland funktioniert und konnte meine Login Daten aus Halle in Deutschland benutzen. Endlich hatte ich  unbegrenztes Internet, um meine weiteren Schritte zu planen. Auch wenn es abends so ungewohnt still im Haus war, so war ich auch froh über ein paar Tage Ruhe. Als großes Dankeschön und Abschiedsgeschenk buk ich am letzten Tag einen veganen Bananenkuchen für Agatha und Naoise (mit herzlichen Dank an meine alte WG für die Inspiration) und wurde schließlich von den beiden zum Bahnhof gebracht.

Te Atatu

Highlights

Ich habe es sehr genossen, Aggie und Naosie wiederzusehen und bin sehr dankbar für die Zeit mit ihnen. In ihrem Bücherregal fand ich folgendes veganes Kochbuch, dass ich nur empfehlen kann: Cook: 30 von Jeremy Dixon. Natürlich hatte ich keine Zeit die Rezepte auszuprobieren, aber sie schienen abwechslungsreich und lecker zu sein und sobald ich die Möglichkeit habe, werde ich die veganen Variationen ausprobieren und mich überzeugen, dass veganes Essen nicht langweilig sein muss. Eine weitere Entdeckung während dieser Woche war die Kinderanimationsserie Spongebob Schwammkopf in der Sprache der Maori. 😉

4 Antworten zu „Te Atatu, Waitakere und ein Wiedersehen”.

  1. […] die ganze Geschichte nocheinmal nachlesen möchte, für den geht es hier weiter zum Logbuch. Allen anderen viel Spaß beim […]

  2. […] die ganze Geschichte nocheinmal nachlesen möchte, für den geht es hier weiter zum Logbuch. Allen anderen viel Spaß beim […]

  3. […] Die Gegend ist erst 150.00 Jahre alt und Rangitoto, eine der Inseln nahe  Auckland, entstand vor ca. 600 Jahren. Somit gehört Auckland zu den vielen vulkanisch aktiven Gegenden Neuseelands. Die lokalen Maori opferten daher häufig dem Vulkangott, um ihn zu beruhigen. Einer der Opferorte war und ist Mount Eden oder auch Maungawhau oder Te Ipu a Mataaho genannt, was so viel bedeutet wie die Essensschüssel des Vulkangottes. Am Anfang meiner Reise durch Neuseeland besuchte ich sowohl Mount Eden als auch die Waitakere Ranges. […]

  4. […] Ranges – der Karekare Strand mit schwarzem Sand und den […]