Reise ich an einen anderen Ort, ertappe ich mich oft dabei, dass ich die neue Umgebung mit früheren Reisen vergleiche. München mit Berlin, Irland mit Brandenburg, Barcelona mit Lissabon. Das Wetter ist schöner, die Küste rauer, die Menschen freundlicher. Auch wenn ich mich meist ohne Erwartungen auf den Weg mache, so gleiche ich das Neue doch stets mit dem Bekannten ab. Gleichzeitig fühle ich mich jedes Mal irgendwie schuldig, den neuen Orten nicht unvoreingenommen begegnen zu können. Ist es wirklich so schwierig ohne den Vergleich zu reisen? Ich möchte nicht so klingen wie Pauschaltouristen, die sich beschweren, dass sie auf ihrem Türkeiurlaub nicht das gleiche Zimmer wie im letzten Jahr bekommen haben oder dass das Essen irgendwie anders schmeckt
Obwohl ich kaum eine Ahnung hatte, was mich nun in Neuseeland erwartet, kamen auch hier Bezüge zu anderen Orten auf, sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede.
Architektonisch
Es ist schon witzig, dass die hochgelobten historischen Gebäude in Auckland selten älter sind als hundert Jahre. Das hat natürlich mit der sehr späten europäischen Besiedlung der Inseln zu tun. Erst im 18. Jahrhundert erkundete der berühmte britische Seefahrer James Cook ausgiebig die Inseln und es entstanden die ersten Siedlungen der Europäer. Heute findet man in der größten Stadt Neuseelands eine wilde Mischung aus viktorianisch anmutenden Häusern mit ornamentalen Holzgiebeln und hohen, modernen Gebäuden mit Glas verkleideten Fassaden, und beides in unmittelbarer Nachbarschaft.
Botanisch
Als ich das erste Mal den Regenwald der Waitakere Ranges betrat, kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Pflanzen, die bei uns klein und zierlich in Blumenkübeln wachsen, sind hier riesige Bäume und Sträucher. Und auch hier ist die Mischung wieder faszinierend: Palmen, Farnbäume und Bambushecken gedeien neben Pinien, Pappeln, Veilchen und Kapuzinerkresse. Es ist ein Anblick, der einen heimisch fühlen lässt und gleichzeitig befremdet.
Kulinarisch
Natürlich gibt es kulinarisch alles, was man sich denken kann. Die Supermärkte unterscheiden sich nicht wesentlich von denen daheim. Es gibt ebenso die Asiaten mit preiswertem Gemüse oder den Take away an der Ecke. Zugegeben alles ist immer ein wenig teurer als gewohnt und ich hatte gehofft, Avocados bis zum Abwinken essen zu können. Doch sind gewisse Früchte und Gemüsesorten ebenso saisonabhängig und dementsprechend preiswerter oder teurer. Im Moment esse ich daher hauptsächlich Kiwis und Feijoas zum Frühstück, doch jemand erzählte mir, dass in der kommenden Woche die Avocadoernte startet und so hoffe ich natürlich, dass sie erschwinglicher werden (im Moment kostet eine Avocado ca. sechs Dollar, etwa vier Euro).
Kulturell
Vor allem Auckland soll sehr multikulti sein. Das kann ich bisher bestätigen. Neben den Neuseeländern europäischen Ursprungs trifft man natürlich auf Maori, Touristen vieler Nationalitäten und Asiaten. Die Maori Kultur ist an jeder Ecke anzutreffen, nicht nur hervorgeholt für die Touristen. Sie ist lebendig oder wird wiederbelebt. Man findet sie in den ungewohnten Ortsnamen, in den Tattoos zahlreicher Leute auf der Straße und auch im Fernsehen gibt es spezielle Maori Sender, wobei die kurioseste Entdeckung die Kinder Sendung Spongebob Schwammkopf auf Maori war.
Landschaftlich
Meine Busfahrt in den Norden der Insel führte mich durch grüne Hügel unter einem grauen, regnerischen Himmel. Vereinzelt tupften Schafe die Wiesen weiß oder Kühe die Weiden braun oder schwarz. Der Anblick erinnerte mich sehr eindringlich an Irland und ich konnte gleichzeitig sehr gut nachvollziehen, warum das Auenland in dieser Gegend gefilmt worden war.
Ist es verwerflich so zu vergleichen? Den neuen Ort, die neue Kultur nicht als etwas Einzigartiges zu sehen? Wie bereits erwähnt, habe ich mich immer dabei ertappt und mich dann irgendwie mulmig gefühlt. Doch nach den ersten zwei Wochen Neuseeland, kam mir auch ein anderer Gedanke: der Vergleich muss nichts negatives sein. Vor allem in Gegenden, die viele Gemeinsamkeiten haben mit der Heimat fühlt man sich durch das Bekannte zum einen etwas wohler und heimischer in der Fremde, zum anderen bringt der Vergleich die kleinen feinen Unterschiede zum Vorschein, die diesen Ort eben besonders machen, wie diese unglaubliche Mischung Neuseelands. Natürlich sollte dabei der Fokus nicht auf negativen Aspekten liegen, denn das führt leicht zu schlechter Laune und Magenverstimmung. 😉 Mit dieser Perspektive kann ich nun die Vielfalt besser genießen und mich an den Unterschieden erfreuen, wenn ich sie entdecke. Zugleich bin ich froh, Bekanntes zu treffen, denn es gibt mir etwas Orientierung am anderen Ende der Welt.






2 Antworten zu „Erste Eindrücke und das Phänomen des Vergleichens”.
[…] und war beeindruckt von der Gleichzeitigkeit von Bekanntem und Exotischen (wovon ich bereits berichtet habe). Ich nahm den Zion Hill Track entlang der Klippen und wurde nach dem steileren Aufstieg mit […]
[…] in Neuseeland und dies nehme ich zum Anlass, um die letzten Wochen Revue passieren zu lassen. Meine ersten Eindrücke habe ich bereits geschildert. Aber wo habe ich mich in der ersten Woche in Auckland […]