Mein Weg ins Land der langen weißen Wolke

Eine Reise ist immer auch ein wenig anstrengend. Man plant, man packt, man macht sich auf den Weg, kommt am Ziel an und lässt sich auf den neuen Ort ein. Nun ja, meine Planung beinhaltete nur das Nötigste wie Visum, Krankenversicherung und eine kopierte Packliste einer Freundin. Die erste Übernachtung war auch gesichert, aber alles andere… Es ist nicht meine Art so unvorbereitet in ein neues Land zu reisen, doch irgendwie stellt sich auch keine Panik ein.

Der Plan

Nun gut, ein grober Rahmen ist gesteckt und das Ziel der Reise klar: Neuseeland für ein Jahr – Aoteora, das Land der langen weißen Wolke in der Sprache seiner Ureinwohner, den Maori. Work and Travel – also arbeiten und reisen, was bestimmt jeder dritte junge Deutsche schon einmal gemacht hat. So fühlte es sich zumindest an, als ich Freunden und Verwandten von meiner Idee erzählte. Viele machen sich nach dem Abi auf den Weg nach Down Under oder nach dem ersten Studienabschluss. Für mich ist es die letzte Chance diesen Sehnsuchtsort als Work&Traveller zu besuchen, denn ich verlasse dieses Jahr meine Zwanziger und das Visum ist auf ein maximales Alter von dreißig Jahren begrenzt. Also habe ich die Gelegenheit genutzt und bin kaum eine Woche nach der letzten Abgabe für meinen Masterabschluss in den Flieger gestiegen. Deshalb so kurzfristig, deshalb so unvorbereitet.

Das Gepäck

Es wird empfohlen auf Rucksackreisen nicht mehr als ein Zehntel seines eigenen Körpergewichts mitzunehmen. Ich frage mich, wie das gehen soll, denn allein meine technische Ausstattung wiegt bestimmt fünf Kilo. Daher war meine persönliche Obergrenze zwanzig Kilogramm und nicht mehr. Wenn man Schlafsack, Isomatte und Wanderschuhe zusammen mit der besagten Technik in den Rucksack stopft, bleibt nicht mehr viel Platz übrig für die besten Stücke aus dem Kleiderschrank. Mein Zimmer sah chaotisch aus beim Packvorgang, doch ich kann stolz berichten, dass alles von meiner Packliste auch reingepasst hat und mein Gewichtsobergrenze nicht wesentlich überschritten wurde. (Ok, ein zwei Oberteile mehr hab ich vielleicht noch in irgendeine Ritze gequetscht. Ich wollte einfach neben dem ganzen Wander- und Funktionszeug noch was zum Wohlfühlen mitnehmen. Ich hoffe, das fällt mir nicht auf die Füße!)

Der Flug

Die Reise nach Neuseeland ist mein erster richtiger Aufenthalt in Übersee, der Flug war also sehr lang. 21 Flugstunden habe ich ausgerechnet. Und davon habe ich bestimmt 14 genutzt, um mir die neusten Filme anzuschauen. Ein Luxus, wenn man sonst nur die europäischen Billigflieger gewöhnt ist, in denen man vergeblich auf einen kostenlosen Snack, ein Getränk zwischendurch oder gar Unterhaltung hoffen kann. Leider war mein innerer Rhythmus stärker als der Tag-und-Nacht-Wechsel vor dem Flugzeugfenster und so lenkte ich mich eben mit Filmen wie Joy, Brooklyn, Sisters, Pan, Minions, Mission: Impossible oder The Lady in the Van ab. Als halbe Filmwissenschaftlerin wird man dabei auch nicht wirklich müde. Zweimal musste ich umsteigen, einmal in Dubai und einmal in Melbourne. (Aus Melbourne darf dann meine Freundin Marie in ihrem Blog berichten!) Da kamen auch noch ein paar durchnachte Stunden hinzu. Am Ende war ich wohl knapp 35 Stunden unterwegs und war vorher ja auch noch wach!

Die Ankunft

Der Schlafmangel machte sich dann bei der Ankunft in Auckland bemerkbar. Im Shuttlebus zum Hostel fielen mir ständig die Augen zu und ich schreckte von meinen eigenen Halbschlafzuckungen auf. Zum Glück war es nach dem Einchecken und einer ausgiebigen Dusche auch früher Abend, sodass ich mich ruhigen Gewissens im Bett verkriechen konnte.

Die ersten Tage

Auch am zweiten Tag merke ich noch die Umstellung, aber ich denke das ist normal bei einem Zeitunterschied von zehn Stunden. Down Under bezieht sich also nicht nur auf die topografische Lage, sondern den zeitlichen Unterschied! Wenn ich ins Bett gehe, fängt der Tag bei Freunden und Familie erst richtig an. Gestern und heute habe ich Auckland zu Fuß erkundet. Das Hostel liegt in der Innenstadt und so konnte ich bequem zum Hafen und zur Uni spazieren, einen sonnigen Tag am Meer genießen, der mir den ersten Sonnenbrand des Jahres einbrachte, und einen leicht bedeckten Tag unter uralten Bäumen. Bisher bin ich noch in Urlaubsstimmung und bin gespannt wie lang das anhält.
Vielen Dank fürs Lesen!